Ziel "Gesund leben und arbeiten"

Der Erwerbsarbeit kommt ein hoher Stellenwert für die Gesundheit der Beschäftigten zu. Erwerbsarbeit besitzt ein großes gesundheits­förderliches Potenzial. Die Arbeit trägt positiv zur persönlichen Identität des Einzelnen bei, gibt dem "Sein" einen prägenden Sinn und fördert den sozialen Zusammenhalt. Darüber hinaus trägt Erwerbstätigkeit zur Sicherung des Wohlstandes des Einzelnen als auch der Gesellschaft bei. Allerdings können sich z.B. Arbeitsbedingungen auch nachteilig auf die Gesundheit der Beschäftig­ten auswirken. Für das Ziel "Gesund leben und arbeiten" haben die gesetzlichen Krankenkassen, gesetzlichen Unfallversicherungs­träger und gesetzlichen Rentenversicherungsträger deshalb einen Unterstützungs- bzw. Leistungsauftrag.

Näheres regeln die Bundesrahmenempfehlungen (BRE) der Nationalen Präventionskonferenz nach § 20d Abs. 3 SGB V.

Unsere Projekte im Detail

Im Hinblick auf die Erreichung des Ziels "Gesund leben und arbeiten" werden vom Landesforum Prävention Sachsen-Anhalt bereits Projekte gefördert. Die Vorhaben fokussieren sich dabei auf die Stärkung von Gesundheitsressourcen und der Ausschöpfung bestehender Gesundheitspotenziale der Menschen sowie den Auf- und Ausbau gesundheitsförderlicher Strukturen in den jeweiligen Lebenswelten.

Bundesweites Projekt zur Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung erfolgreich in Sachsen-Anhalt etabliert

Am Projekt "Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in Lebenswelten" nehmen in Sachsen-Anhalt bisher die Agentur für Arbeit in Dessau-Roßlau-Wittenberg und insgesamt sieben Jobcenter aus Dessau-Roßlau, den Landkreisen Altmarkkreis Salzwedel, Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg, Harz, Mansfeld-Südharz und der Landeshauptstadt Magdeburg teil. Das Modellprojekt wurde im Vorfeld auf Bundesebene an sechs Standorten in Deutschland erprobt. Ausgehend von den Erkenntnissen der ersten Modellphase wird seitdem auch in Sachsen-Anhalt das Ziel verfolgt, die gesundheitliche Situation möglichst vieler Langzeitarbeitsloser zu verbessern, um ihnen einen erfolgreichen und nachhaltigen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Zur Umsetzung des Projektes wurde im Frühjahr 2017 in jedem Jobcenter und der Agentur für Arbeit ein Steuerkreis gegründet. Dieser setzt sich aus Vertretern der Jobcenter/der Agentur für Arbeit, der gesetzlichen Krankenkassen sowie der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt (LVG) zusammen. Auch Kommunal- und Erwerbslosenvertreter sind bereits in einigen Steuerkreisen beteiligt.

Den Startschuss für die gemeinsame Arbeit hat im Sommer 2017 die Unterzeichnung der Kooperationsverträge zwischen der LVG, die das Gesamtprojekt koordiniert, der GKV (vertreten durch die IKK gesund plus) und der Agentur für Arbeit sowie den Jobcentern gegeben. Seither bemühen sich die beteiligten Akteure darum, Erwerbslose für die Nutzung präventiver Angebote zur Stärkung und Verbesserung der eigenen Gesundheit zu motivieren. Dafür stehen drei Maßnahmenpakete zur Verfügung, die den regionalen Bedarfen der jeweiligen Jobcenter und Agentur für Arbeit Rechnung tragen. Über die Maßnahmen des klassischen Kurssystems der Krankenkassen hinaus, beispielsweise Wassergymnastik, Rückenschule (Maßnahmenpaket 1), werden auch zielgruppenspezifische Angebote, zum Beispiel soziallagenbezogene Ernährungsberatung (Maßnahmenpaket 2), und individuelle Gesundheitscoachings, beispielsweise zum Thema Zeit- und Selbstmanagement oder Motivation (Maßnahmenpaket 3), vermittelt. Über weitere kommunale Partner wie Stadt- und Kreissportbünde werden künftig weitere Maßnahmen regional nachhaltig etabliert.

In individuellen Beratungsgesprächen werden erwerbslose Menschen motiviert, für die eigene Gesundheit etwas zu tun und entsprechende Präventionsangebote zu nutzen. Ziel ist nicht nur das Gesundheitsverhalten des einzelnen zu verbessern, sondern auch positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit ausüben zu können. Dadurch steigert sich letztlich die individuelle Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit, welche die Eigeninitiative aktiviert und somit die sozialen Teilhabechancen der Arbeitssuchenden verbessert. Um die Vermittlungsfachkräfte der Jobcenter und Arbeitsagenturen zur Durchführung gesundheitsorientierter Beratungsgespräche zu befähigen, fanden im Vorfeld Schulungen zur Verbesserung der individuellen Gesundheitskenntnisse und motivierenden Gesprächsführung statt.

Die Umsetzung

Im Zuge der ersten Bekanntmachung des Projektes für die Zielgruppe wurden an nahezu allen Standorten Gesundheitstage als Auftaktveranstaltung durchgeführt. Hier konnten sich die Erwerbslosen über das Projekt informieren sowie erste Schnupperangebote wie zum Beispiel Pilates- und Rücken-Fit-Kurse testen oder einen Gesundheits-Check zur Messung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin durchführen lassen. Die Maßnahmen aus den drei unterschiedlichen Maßnahmenpaketen werden fortlaufend von der LVG mit den Leistungserbringern abgestimmt, sodass die Vermittlungsfachkräfte ihre interessierten Kunden kontinuierlich in die Angebote einsteuern können. Zudem werden regelmäßig Gesundheitstage an den Projektstandorten und deren Geschäftsstellen durchgeführt, um auf das Projekt aufmerksam zu machen und die Zielgruppe für das Thema zu sensibilisieren.

Mit Beginn des Jahres 2020 werden zusätzlich zu den bestehenden acht Standorten vier weitere Häuser in das Projektvorhaben aufgenommen – die Agentur für Arbeit Sangerhausen sowie die Jobcenter Jerichower Land, Burgenlandkreis und Saalekreis.

Das Projekt wird von der BZgA im Auftrag und mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen nach § 20 a Abs. 3 SGB V im Rahmen ihrer Aufgaben zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten gefördert.

Evaluation

In Kürze werden erste Evaluationsergebnisse erwartet. Schon jetzt zeichnet sich eine rege Inanspruchnahme der Angebote ab. Die Angebote werden tendenziell häufiger von Frauen als von Männern wahrgenommen. Wenn Männer allerdings in eine Maßnahme einsteigen, bleiben sie häufiger bis zum Ende dabei. Beliebte Angebote sind Wassergymnastik und Rückenkurse. Erste Erfahrungsberichte schildern, dass bereits einzelne Erwerbslose auch in Folge der Projektteilnahme erfolgreich in Maßnahmen des Bundesfreiwilligendienstes und schließlich in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden konnten.

Ansprechpartner für das Projekt

LVG (Projektkoordination)

Stefanie Stützer
eMail: stefanie.stuetzer(at)lvg-lsa.de
Tel.: 0391 8364111

Felix Rottke
eMail: felix.rottke(at)lvg-lsa.de
Tel.: 0391 8364111

Im Auftrag der GKV Sachsen-Anhalt

IKK gesund plus
Constanze Runow
eMail: constanze.runow(at)ikk-gesundplus.de
Tel.: 0391 2806-2174

Unter diesem Projekttitel bieten ab 2020 qualifizierte Ehrenamtliche diverse Bewegungsangebote für Menschen in Sachsen-Anhalt an, die gesund leben und in einer Gruppe sportlich aktiv sein wollen. Das können beispielsweise eine Geh- oder Laufgruppe, ein Treffen zum Fußball, gemeinsames Tanzen oder eine Runde Tischtennis sein. Es sind natürlich alle Interessierten angesprochen, mitzumachen. Insbesondere richten sich die gesundheits- und bewegungsfördernden Angebote an Heranwachsende, Alleinerziehende, Ältere sowie Zugewanderte.

Das Projekt ist auf einen Zeitraum von drei Jahren ausgelegt (01.07.2019 bis 30.06.2022) und wird eine projektbegleitende Evaluation erfahren. Bevor das Projekt in der Fläche wirken kann, wird es an sechs Standorten getestet. So wird es nach einer Vorbereitungsphase zur Erarbeitung eines Handbuchs und der notwendigen Fortbildung ab 2020 erste Angebote in den Gebieten der Sozialen Stadt in Bitterfeld-Wolfen (Jugendclub ´83 e.V.), Lutherstadt Wittenberg (Nachbarschaftstreff Wittenberg-West) und in Stendal (KinderStärken e.V.) geben. Ab 2021 folgen Angebote in Naumburg (BeLK e.V.), in der Hohen Börde (Freiwilligenzentrum Hohe Börde) und in Dittichenrode bei Sangerhausen (TiLL e.V.). Im Anschluss an diese Erprobungszeit ist geplant, das Projekt auch darüber hinaus in Sachsen-Anhalt zu verbreiten. Vor Ort übernimmt eine Freiwilligenkoordination, die durch die LAGFA sowie externe Partner geschult wird, die Umsetzung.

Um zu gewährleisten, dass die FreiwilligenkoordinatorInnen und Ehrenamtlichen wissen, wie sie die Sport- und Übungseinheiten zur Bewegungsförderung anleiten müssen, werden durch einen externen Partner vor Ort Fortbildungen für sie angeboten. Ein Handbuch soll als Unterstützung für die Aktiven dienen.

Die Evaluation durch ein Team vom Lehrstuhl Sportpädagogik/Sportsoziologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wird einen übergreifenden Einblick in den Projektablauf ermöglichen und Anpassungen auch während des Projektes möglich machen.

Ziele des Projektes

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die Aktiven im Setting Kommune im Handlungsfeld „Stärkung und Aktivierung der Zivilgesellschaft“ unter dem Fokus Gesundheits- und Bewegungsförderung zu unterstützen. Das heißt:

  • Die beispielhafte Entwicklung eines gemeinsamen Handlungskonzeptes zur Erschließung, Motivation und Gewinnung bisher nicht erreichter Zielgruppen in Kommunen und Stadtteilen
  • Aufbau- und Erprobungsphase in mind. 6 Kommunen bzw. Stadtteilen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements unter dem Fokus der Bewegungs- und Gesundheitsförderung im Sozialraum:
       » Gewinnung und Einsatz von ehrenamtlichen „BeiKer*innen“
       » Etablierung einer stadtteilorientierten Struktur, die das bisherige Angebot der
          Beteiligten quartiersbezogen erweitert und die Arbeit der lokalen
          Stadtteilorganisationen unterstützt und ergänzt
       » Umsetzung von bewegungs- und gesundheitsfördernde Angeboten für bisher
          nicht erreichte Zielgruppen in Kommunen und Stadtteilen
  • Verstetigung und Evaluation des Ansatzes der „BeiKer*innen“ für bisher nicht erreichte Zielgruppen in Kommunen und Stadtteilen
  • Begleitende Öffentlichkeitsarbeit und werbende Aktivierung für Engagement getragene Konzepte/Aktionen zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung in benachteiligten Stadtteilen

Aufgabenpakete im Projekt

  • Übergreifende Koordination des Projektes
  • Vernetzung und Austausch mit Förderern, Partnern und Unterstützern
  • Fachliche Begleitung und Anleitung der Partner vor Ort
  • Qualifizierung von Freiwilligenkoordinator*innen der Standorte, die die Ehrenamtlichen anleiten
  • Erarbeitung eines Handbuchs für Freiwilligenkoordinator*innen und Ehrenamtliche mit fachlicher Unterstützung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Organisation von Austausch und vernetzenden Veranstaltungen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Ergebnissicherung (u.a. mithilfe der Evaluation der OVGU) während des gesamten Verlaufs
  • Transfer/Vorbereitung und Umsetzung der Ausweitung des Projektes in Sachsen-Anhalt ab 2022

Projektorganisation

Die Federführung für Konzeption und Umsetzung des Projektes liegt bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt e. V. (LAGFA). Die Projektumsetzung wird darüber hinaus durch einen Projektbeirat unter Beteiligung der GKV begleitet.

Die LAGFA setzt sich für die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements ein. In Zusammenarbeit mit

  • Freiwilligenagenturen/Engagement-Zentren in Kommunen,
  • Trägern von Quartiermanagements in den Kommunen sowie
  • Vereinen, die sich für die Gesundheits- und Bewegungsförderung engagieren

werden Engagement fördernde Projekte und Maßnahmen umgesetzt. Beispielsweise verantwortet die LAGFA den landesweiten Freiwilligentag oder fungiert als Service-Stelle für Patenschaften für benachteiligte Zielgruppen. Zu den Fachpartnern gehören u.a. Sportvereine und Akteure der Gesundheitsförderung sowie Aktive im ländlichen Raum. Darüber hinaus berät die LAGFA rund um das Thema Ehrenamt, gibt Tipps zur Öffentlichkeitsarbeit und unterstützt die Standorte bei der Projektumsetzung.

Projektträger sind neben der LAGFA die Krankenkassen des Landes Sachsen-Anhalt (GKV Sachsen-Anhalt). Das Projekt wird gefördert mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen nach § 20a SGB V im Rahmen ihrer Aufgaben zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten.

Ansprechpartner für das Projekt

Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt e. V. (LAGFA)

Friederike Schwarz
eMail: friederike.schwarz(at)lagfa-lsa.de
Tel.: 0345 22604440

Im Auftrag der GKV Sachsen-Anhalt

Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Sachsen-Anhalt
Dr. Volker Schmeichel
eMail: volker.schmeichel(at)vdek.com
Tel.: 0391 5651620